Throw-In: Die schönste Seite vom Fußball bei meinen Dorfverein

Seit ca. 2 Jahren gibt es beim VfL Rötgesbüttel von 1908 e.V. eine Frauenfußballmannschaft. Seit dieser Saison sogar zwei Teams. Die Geschichte des Frauenfußballs in Rötgesbüttel hat Ihren Anfang weit vor diesen beiden Jahren. Hier sind nicht die B-Juniorinnen gemeint, die als Sprungbrett gesehen werden können. Gemeint ist die erste Frauenfußballmannschaft aus dem Jahr 1971.

Was ist eigentlich Frauenfußball? Was steht dort geschrieben, wenn man mal wikipedia.de fragen würde?

Frauenfußball bezeichnet die Sportart Fußball, wenn sie von Frauen ausgeübt wird. Der von Frauen gespielte Fußball unterscheidet sich in Bezug auf das Regelwerk nicht und in Spielweise, Taktik und Strategie nur geringfügig vom Fußball der Männer.

Bei Wikipedia wird es schon angesprochen. Der gewisse Unterschied. Der Unterschied zwischen Mann und Frau. Ich tue mich im allgemeinen etwas schwerer damit einen Unterschied zwischen Männer und Frauen zu machen (mal den optischen und biologischen Unterschied außen vorgelassen). Aber es scheint einen Unterschied zu geben, aber wie sieht der aus, woran erkennt man ihn und wieso macht man ihn überhaupt ….. DIESEN UNTERSCHIED ?? Ist das Spiel nicht das gleiche?

Der größte Unterschied mit dem die Frauen wohl zu kämpfen haben, ist die AKZEPTANZ gegenüber ihren kickenden männlichen Kollegen. Auch ich muss zugeben dass ich nicht immer ein Freund des Frauenfußballs war. Nicht in eine Art und Weise der Lächerlichkeit oder in Form von geschmacklosen Witzen (wie sie leider haufenweise im Internet zu finden sind), sondern eher eine Sache von Desinteresse.
Dabei ist die allgemeine Geschichte des Frauenfußballs eine sehr interessante. Bereits in den 20er Jahren gab es Fußballspiele mit Frauen. In Deutschland vereinzelte Spiele, unorganisiert und meistens aus Studentinnen Kreisen. In der Zeit der Nazis passte der Frauenfußball nicht in die Ideologie „Frauenbild“ und wurde untersagt. Nach den Nazis wuchs Deutschland getrennt weiter.

1954 war ein Höhepunkt im Fußball für Deutschland. Der erste WM Titel, die Annährung vom ehemaligen „Nazi-Deutschland“ an Europa. Der Titel weckte die Hoffnung eines ganzen Landes, wieder akzeptiert zu werden ohne dass der Finger auf einen gezeigt wird. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft kam eine Diskussion um den Frauenfußball auf. So beschloss dann 1955 der DFB, das kein Verein eine Frauenfußballmannschaft beheimaten darf. Es ging um „die weibliche Anmut im Kampf um den Ball“ oder dergleichen Geplapper. Über Unsinn dieser Worte brauche wir aber keine weiteren Worte verlieren. Traurig ist dies aber schon. Dieses Verbot wurde 1970 erst wieder aufgehoben. Auch in anderen europäischen Ländern wurde in dieser Zeit, Frauenfußball verboten. Selbst im Mutterland des Fußballs, in England war bis 1970 keiner Frauenmannschaft erlaubt in den Stadien der FA zu spielen.

Aber auch nach den Verboten wuchs der Frauenfußball als „Stieftochter“ beim DFB recht langsam. Am Anfang wurde ganze 70 Minuten gespielt. Erst seit 1993 ist die offizielle Spielzeit 2×45 Minuten. 1986 wurde die Bundesliga eingeführt und wer erinnert sich nicht an die Siegprämie der deutschen Frauennationalmannschaft bei der Europameisterschaft 1989….. ein Kaffeeservice.

Diese langsame Entwicklung trug viel dazu bei das die Akzeptanz von Frauenfußball in der Öffentlichkeit eher langsam bis teilweise gar nicht gewachsen ist.
Einen Aufschwung vom Frauenfußball erlebte Deutschland als bekannt wurde, dass die Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land ausgetragen wird. Immer mehr Mädchen und Frauen wollten Fußball spielen, weil der DFB versuchte die Vereine mit Kampagnen und Aktionen zu sensibilisieren. Man schien langsam zu begreifen  dass der Frauenfußball im größten Verband der Welt eine gleichgestellte Rolle spielen sollte und muss.

Die vielen Titel der deutschen Nationalmannschaft (2003 sogar im Frauenfußballland USA ← USA hatte eine der ersten Profiligen) halfen der Öffentlichkeit auf Frauenfußball aufmerksam zu werden. Vorbilder wie Birgitt Prinz, Steffi Jones oder Bundestrainerin Silvia Neid taten ihr Bestes und wurden sogar langsam vom „kicker“ erkannt und gewürdigt.
Den Wandel beim DFB und die Wahrnehmung des Frauenfußballs hat auch ein Mann mitgeprägt. Theo Zwanziger hat einiges im DFB bewegt, was gerade die „Außenseiter-und-unangenehme-Themen“ betrifft. Frauenfußball, Homophobie in Stadien, Anti-Rassismus und auch einige andere nennenswerte Dinge. Themen die weiterhin eher im Hintergrund behandelt wurden und die man in der Mainstream Presse wie „kicker“ und den „Öffentlich-Rechtlichen“ nicht immer wirklich thematisiert wurden.

Jetzt befinden wir uns aber schon in der Gegenwart oder in der nahen Vergangenheit. Vom DFB und nationalen Frauenfußball wollen wir aber wieder zurück zu unseren blau-gelben VfL.

Wie bereits am Anfang erwähnt, hatte auch der VfL im Jahr 1971 eine Frauenfußball Mannschaft. Geleitet wurden die ca. 12 Frauen von Horst Lickefett und Rudi Krüger. Leider steht in der Chronik zur 100 Jahrfeier nicht mehr über diese Zeit drin. Vllt. fragt ein Neugieriger mal bei den Frauen nach, die damals für die Farben blau-gelb aufliefen. Einige der Frauen sieht man heute noch am Spielfeldrand stehen. Bei Spielen der I. Herren und auch das eine oder andere mal bei einen Spiel der I. Frauen.
Da ich leider nicht viel sagen kann über die Zeit um 1971 gehen wir fast 30 Jahre wieder in die Zukunft. Frauenfußball in Rötgesbüttel wurde wiederbelebt. Um es genau zu sagen durch Juniorinnen.

Unter der Leitung von Yvonne Macano wurde im März 2008 für die Saison 2008/2009 eine B-Juniorinnen Mannschaft in der Kreisliga gemeldet. Die Idee einer Juniorinnen Mannschaft in Rötgesbüttel hatte zum einen unserer langjähriger Jugendleiter Erich Beuth und Matthias Horvat. Eine Trainerin für die Juniorinnen sollte es schon sein und so wurde die Frage an Yvonne Macano gerichtet, ob sie sich vorstellen könnte diesen Job in Rötgesbüttel zu übernehmen. Yvonne hat selbst viel Erfahrung im Frauenfußball gesammelt und nahm das Angebot von Erich und Matthias an. Sie wollte Ihre Erfahrung an junge Mädchen weitergeben. Die ersten beiden Spiele konnten damals gewonnen werden. Danach gab es aber auch große Rückschläge, wie ein 3:16 Anfang November 2008 gegen TuS Neudorf-Platendorf. Nach 20 Spieltagen war die erste Saison beendet. Platz 7 mit 7 Siegen und einen Torverhältnis von 63:93 standen zu buche. Ein Start der sich sehen lässt und auf dem man aufbauen konnte.
In der darauf folgenden Saison 2009/2010 bekam Yvonne eine helfende Hand zur Seite, ihren Mann Oliver. Die B-Juniorinnen machten Fortschritte und so konnte man in der zweiten Saison Platz 2 belegen. In 16 Spielen erreichten unseren Mädels 11 Siege und 5 Niederlagen, bei einen Torverhältnis von 80:43.
Es war im dritten und dann auch leider letzten Jahr nicht einfach den zweiten Platz zu wiederholen.
In der Saison 2010/2011 wusste man bereits dass man es schwer haben wird, nicht nur im sportlichen sondern auch mit einer Weiterführung der B-Juniorinnen. Da einige Mädels aus dem B-Juniorinnen Alter heraus kamen, der VfL zu diesem Zeitpunkt auch keine Frauenmannschaft hatte, schien die ganze Arbeit der letzten Jahre für die Katz gewesen zu sein.
In der Saison 2010/2011 hatte man dann doch noch das Glück, das in einem Nachbarort eine Frauenfußball Mannschaft nicht mehr so erwünscht war. Durch einige Kontakte zum Heimatort und zu dem gerade genannten Nachbarort und durch viele Gespräche mit den einzelnen Spielerinnen, konnten fast alle Frauen überredet werden sich dem VfL Rötgesbüttel anzuschließen. So konnte der VfL eine Frauenfußball Mannschaft in der Kreisliga anmelden. Da die Frauen im Nachbarort Bezirk gespielt hatten, war auch das Ziel der neuformierten Frauenmannschaft der Aufstieg in den Bezirk.
Bevor wir aber zu der I. Frauenmannschaft kommen, noch der Abschluss der (vorerst) letzten Saison der B-Juniorinnen in Rötgesbüttel. Platz 6 in 18 Spielen bei 7 Siegen, einen Unentschieden und 10 Niederlagen und das alles mit 47:85 Tore. Bereits im letzten Drittel der Saison 2010/2011 musste Yvonne Macano aus gesundheitlichen Gründen das Amt der Trainerin niederlegen. Roland Kutz und Wanja Jahnke übernahmen den Job bis zum Ende der B-Juniorinnen Zeit in Rötgesbüttel.
Auf diesem Wege möchten wir uns auch bei Yvonne Macano bedanken, für die Zeit, die Geduld, den Fleiß und den Ehrgeiz den heutigen Frauenfußball in Rötgesbüttel ein Sprungbrett geliefert zu haben.
2010/2011 war also auch die erste Saison für unsere I. Frauenmannschaft und in dieser ersten Saison holte man gleich zwei Titel, welche auch ausführlich auf der Seite www.vfl-rötgesbüttel.de nachzulesen sind. Der erste Titel war die Hallenkreismeisterschaft und der zweite Titel war der Pokalsieg auf richtigen Rasen. Diese beiden Titel und auch die Art und Weise wie sich die Frauen hier in Rötgesbüttel präsentierten, machte es für alle Beteiligten rund um den VfL Rötgesbüttel leicht einen Kontakt zu den neuen Vereinsmitgliederinnen herzustellen und damit auch Vorurteile und fehlende Akzeptanz zum Frauenfußball zu missachten und einfach alle in blau und gelb als eine „Familie“ zu betrachten.
Durch den Erfolg in der ersten Saison fiel es dem Trainerstab um Oliver Macano auch recht leicht, neue Spielerinnen nach Rötgesbüttel zu holen. Auch ehemalige B-Juniorinnen sind ein Bestandteil der Frauenmannschaften, denn wie anfangs berichtet hat unser Verein jetzt ZWEI Frauenmannschaften. Wir hoffen das die „SCHÖNSTE SEITE VOM FUßBALL IN RÖTGESBÜTTEL“ uns lange erhalten bleibt ……….
Am Anfang stellte ich die Frage

„…aber wie sieht der aus, woran erkennt man ihn und wieso macht man ihn überhaupt. DIESEN UNTERSCHIED ?? Ist das Spiel nicht das gleiche?“

Ich für meinen Teil erkenne einen Unterschied in der Spielweise. Aber spielt nicht der jeder Bundesligist irgendwie seine eigene Spielweise? In Sachen Einsatz, Ehrgeiz und Wille sehe ich keinen Unterschied und sind das nicht die symphytischen Mannschaften im Männerfußball, die die Kämpfen und alles geben?
Wieso macht man ihn überhaupt? Das liegt wohl daran das die Welt lange kein Frauenfußball sehen durfte und jetzt erst aus Ihrem Schlaf erwacht …….. aber vllt sind wir in Rötgesbüttel einfach mal Frühaufsteher und machen keinen Unterschied …….
Und das Spiel, das hat die gleichen Regeln …… also halten wir uns auch an die Regeln das wir FAIR zu jedem bei uns im Verein sind ………. denn WIR SIND RÖTGESBÜTTEL !!!!!!
Quellen:
wikipedia.de // Yvonne Macano // mein Gedächtnis // 100 Jahre VfL Rötgesbüttel -Das Buch-